Eltern fragt Eltern - Die große Umfrage

Top im Job, einfühlsam mit den Kindern, anspruchsvoll in der Liebe: So liest sich die Stellenbeschreibung für moderne Eltern. Eierlegende Wollmilchfrauen und –männer, die die Latte für ihr Multitasking-Leben ganz schön hoch legen.

Ertappt? Wir sind nicht allein. Sondern in großer Gesellschaft. Elternsein ist das schönste auf der Welt – und zugleich so anstrengend wie noch nie, sagen rund tausend Mütter und Väter mit Kindern bis zu zwölf Jahren, die bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag von ELTERN ehrlich ausgepackt haben. Aber entsteht der Stress wirklich im Job? Teilen Mütter und Väter ihre Aufgaben gerecht? Und was bedeutet es heute, gute Eltern zu sein? Spannende Zahlen, die belegen, dass uns Eltern viel mehr verbindet als trennt. Und die auch zeigen, wo wir vielleicht ansetzen können, um uns das Leben leichter zu machen.

Die Familie ist wichtig – der Einzelne aber auch

„Die Bedürfnisse meiner Familie stehen über allem anderen“ – diesen Satz unterschreiben etwa zwei Drittel aller Eltern. Mütter mit 71 Prozent noch häufiger als Väter mit 60 Prozent, Eltern von Kindern unter fünf häufiger (70 Prozent) als Eltern von 9- bis 12jährigen (63 Prozent). Fast alle anderen geben an, dass ihnen eigene Bedürfnisse und die der Familie gleichermaßen am Herzen liegen, nur ein winziger Bruchteil (Väter drei, Mütter ein Prozent) bekennt sich zum Egoismus – erst komme ich, dann die Familie. Am glücklichsten ist dabei das Drittel, für das beides gleichermaßen zählt: 94 Prozent derjenigen, die sich genau so wichtig nehmen wie Partner und Kinder, fühlen sich damit gut oder sehr gut.
Man sieht aber auch: Wir Frauen definieren uns nach wie vor stärker über die Familie, Männer nach wie vor mehr über den Job. So sagen 42 Prozent der Väter: Um ein gutes Vorbild für ein Kind zu sein, sollte man einen adäquaten Beruf ausüben – bei den Müttern unterschreibt das nur jede Dritte.

Der neue Vater – ein Männermärchen?

„Vater und Mutter sind beide gleichermaßen zuständig, sich um das Kind zu kümmern und es zu erziehen“ – das unterschreiben heute drei Viertel aller Eltern. Von den befragten Müttern stimmten 67 Prozent für geteilte Verantwortung, bei den Vätern sogar 85 Prozent, vor allem die jüngeren. Ein ganz anderes Bild ergibt sich bei der Frage nach dem Alltag: 63 Prozent der Väter sagt: Ja, wir sind beide wirklich gleichermaßen beteiligt. Aber nur ein Drittel (!) der Mütter stimmt dem zu. Offensichtlich schätzen beide ihre jeweiligen Rollen unterschiedlich ein – oder haben andere Vorstellungen davon, was Gleichberechtigung bedeutet. Sind die Ansprüche an Eltern heute höher als vor 30 Jahren? Ja, sagen übereinstimmend 59 Prozent aller Väter und Mütter. Allerdings glauben zwei Drittel der Mütter: Vor allem von uns Frauen wird mehr erwartet. Ganz anders die Väter. Eine knappe Mehrheit sagt: Beide Seiten müssen heute mehr leisten.

Stress im Büro? Nicht das Hauptproblem

Zerrissenheit zwischen Job und Kind – das gilt vor allem für Mütter als Nervengift Nummer eins. Überraschung: Sowohl unter den Vollzeit- als auch unter den Teilzeitangestellten sagen etwa drei Viertel: Ich bin zufrieden mit meiner Arbeitszeit und meiner Work-Life-Balance. Mehr arbeiten möchten nur wenige Eltern (zwei Prozent der Väter und neun Prozent der Mütter), weniger Zeit am Arbeitsplatz hätten dagegen gern 19 Prozent der Väter und 14 Prozent der Mütter.
Der meiste Eltern-Stress ist hausgemacht. „Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst“, sagen 56 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen. Gleichzeitig sagen mehr als zwei Drittel: Häufig oder gelegentlich werde ich meinen Ansprüchen nicht gerecht – auch hier wieder mehr Frauen (74 Prozent) als Männer (65 Prozent). Weitere Haupt-Stressfaktoren: die ständige Hetze, gesellschaftliche Erwartungen – gefühlt oder real – , die anspruchsvolle Alltagsorganisation. Gesellschaftliche Erwartungen sind gestiegen, finden 62 Prozent, 43 Prozent der Befragten sagen, dass Erziehung heute anspruchsvoller ist als früher, ein knappes Drittel nennt Bildungsstress schon bei den Kleinsten.

Das Navi funktioniert: Eltern als Ratgeber und Vorbild

Wir Eltern mögen uns heute oft überfordert fühlen, orientierungslos sind wir nicht, das belegen die Umfrage-Ergebnisse. Für ihre wichtigsten Aufgaben halten Eltern, dem Kind Geborgenheit zu vermitteln (77 Prozent) und ein Vorbild zu sein (70 Prozent). Aber auch Leistung zählt. Fast jeder zweite ist der Meinung: Gute Eltern helfen ihrem Kind in der Schule.

Geld (allein) macht nicht glücklich – Zeit schon

Zwar wünschen sich 44 Prozent aller Väter und 39 Prozent aller Mütter mehr direkte finanzielle Unterstützung vom Staat (also etwa mehr Kindergeld, kostenlose Kita-Jahre), aber der Kontostand ist nicht das Hauptproblem. Ein Viertel der Eltern sagt: Familienpolitik kann sowieso nicht zu unserem ganz privaten Glück beitragen. Und nur vier Prozent aller Befragten finden: Es macht gute Eltern aus, dass sie ihren Kindern finanziell etwas bieten. Was würde Eltern stattdessen entlasten?
„Mehr Zeit“ – diesen Stoßseufzer hört man von 33 Prozent der Väter und 40 Prozent der Mütter. Väter vermissen hauptsächlich Stunden für die Partnerschaft (28 Prozent sagen: Ich wäre gerne mehr mit meiner Liebsten allein, nur 20 Prozent der Frauen geht es umgekehrt so), Mütter sehnen sich vor allem nach mehr Zeiten für sich selbst (18 Prozent, bei den Männern sagen das nur acht Prozent). Hobby, Treffen mit Freunden und Reisen vermissen dagegen nur rund zehn Prozent aller Mütter und Väter.

Rat holen? Lieber analog als digital

Sie gehören zur ersten Generation der „Digital Natives“ – trotzdem vertrauen junge Eltern in Fragen rund um ihre Kinder eher ihrem persönlichen Umfeld als Informationen aus dem Netz. Wichtigste Adresse für Rat und Hilfe sind der eigene Partner (sagen 68 Prozent der Väter und 51 Prozent der Mütter), Großeltern und Familie (20 bzw. 25 Prozent) und andere Eltern (wobei nur 7 Prozent der Männer, aber 19 Prozent der Frauen sich im Freundeskreis umhören). Gelesen wird weniger: Sechs Prozent nutzen einschlägige Internet-Portale, Social Media wie Facebook und Instagram sogar nur ein Prozent der Väter und zwei Prozent der Mütter. Viele sehen solche Netzwerke kritisch: „Leute versuchen sich dort anders darzustellen als sie sind“, beklagen 37 Prozent.
Walter Matthias Kunze, Trendforscher*: Social Media ist eine Mischung aus Kneipe, Laufsteg der Eitelkeiten und Pinnwand – nicht gerade der Ort, an dem man drängende, persönliche Fragen stellt. Dabei sind Mütter durchaus viel im Netz unterwegs, aber eher mobil: Frauen mit Kindern unter fünf, so haben Studien ergeben, sind ganz weit vorne bei den WhatsApp-Usern, weil diese App sie per Gruppenchat am schnellsten mit ihrem Freundeskreis verbindet. Und das wird natürlich auch für Fragen rund ums Kind genutzt.

Text und Protokolle: Verena Carl

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